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Alleine dieses Jahr sind bereits über 1700 Menschen auf dem Mittelmeer ertrunken – die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Viele europäische Staaten schließen ihre Häfen, die Seenotrettung wird kriminalisiert, Organisationen, aber auch Einzelpersonen werden angeklagt, während weiterhin tausende Menschen einen sinnlosen Tod sterben. Um diesem erschreckenden Trend entgegenzuwirken, gründete sich Mitte diesen Jahres die Seebrücke, eine Initiative, die sich solidarisch mit den betroffenen Flüchtlingen zeigt. Ich traf zwei Mitstreiter der Seebrücke Kreis Pinneberg, Leonie Beers (22) und Peer Asmussen (26). Wir sprachen über die Ziele, die die Seebrücke verfolgt, darüber, was sie von der deutschen, aber auch von den europäischen Regierungen fordert und die beiden erzählten mir, was ihre persönliche Motivation ist, sich in der Seebrücke zu engagieren. Herausgekommen ist ein äußerst lebendiges, authentisches und vor allem sehr ehrliches Interview mit zwei jungen Menschen, die sich klar positionieren und Verantwortung übernehmen: Für Menschenrechte und Solidarität, gegen rechte Hetze und Ausgrenzung.

 

 

Die Organisation Seebrücke gibt es erst seit Juli dieses Jahres. Wie kam es zur Gründung?

Peer: „Man muss hier ein wenig zwischen der Bundesebene und der Seebrücke hier bei uns vor Ort im Kreis Pinneberg differenzieren. Die Bundesseebrücke hat sich auch ein wenig früher gegründet, etwa so Anfang Juni 2018. Es ging damit los, dass zunehmend gerade die ehrenamtlichen Seenotretter nicht mehr rausfahren durften und wenn es ihnen dann doch gelungen ist, Geflüchtete auf den Meeren zu retten, dann durften sie mit ihren Schiffen nirgendwo einlaufen. Die Betroffenen mussten also tagelang auf hoher See ausharren. Einige engagierte Bürger haben sich daraufhin gedacht: Hey, was können wir tun, um diesen Menschen zu helfen? Wie können wir es schaffen, diese Menschen sicher in unseren Städten aufzunehmen? Hieraus hat sich dann spontan eine Initiative gegründet. Die Aktivisten haben sich orangefarben gekleidet, denn Orange ist die Farbe der Seenotrettung, in Anspielung auf die orangefarbenen Rettungswesten und Rettungsringe. Die Bewegung der Seebrücke fängt also unten an, trommelt Leute zusammen, es werden Veranstaltungen organisiert, die vor allem öffentlichkeitswirksam sind. Wir sind eine sogenannte Graswurzelbewegung, die auch wirklich von unten kommt. Das Interessante hierbei ist, dass es in jeder Stadt andere Aktionen gibt. Die Seebrücke ist nämlich vor allem eins: Bunt und vielfältig!“

 

Welche Ziele verfolgt die Seebrücke?

Leonie: „Oberste Priorität hat auf jeden Fall die Rettung von Geflüchteten auf dem Mittelmeer. Es sind dieses Jahr bereits weit mehr als 1700 Menschen auf dem Mittelmeer ertrunken, die aus Nordafrika flüchten mussten, vor Terror und Gewalt, vor Krieg, Folter und Menschenhandel. Da viele europäische Staaten ihre Häfen geschlossen halten und es in den letzten Monaten vermehrt zu Klageverfahren gegen einzelne Seenotretter kam, ist unsere Arbeit mehr als gefragt. Denn auf den Meeren ertrinken nach wie vor tausende von Menschen und viele europäische Regierungen behindern ganz offensichtlich aktiv die Seenotrettung. Das geht so nicht und das wollen wir auch so nicht hinnehmen! Wir sind klar gegen rechte Hetze und wollen ein Zeichen für die Menschlichkeit setzten. Auf lange Sicht müssen vor allem die Fluchtursachen bekämpft werden, damit die Menschen gar nicht erst fliehen müssen. Denn niemand verlässt freiwillig seine Heimat, niemand setzt sein Kind freiwillig in ein Schlauchboot mit dem Risiko, dass der Tod die Konsequenz sein könnte.“

Peer: „Als erstes ist die Aufgabe der Seebrücke, dieses Thema überhaupt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, denn die betroffenen Flüchtlinge haben leider keine richtige Lobby, sie selbst kommen in den Medien eher selten zu Wort. Im Fernsehen und auch in den sozialen Medien sieht man häufig Leute, die sich klar gegen Flüchtlinge positionieren oder aber Menschen, die über Flüchtlinge sprechen und diese auch durchaus willkommen heißen, die Betroffen selbst sieht man jedoch nicht wirklich oft. Es gibt zum Beispiel kaum Interviews mit Geflüchteten, die gerade aus dem Meer gerettet wurden. Das ist also der erste Punkt: Überhaupt diese Thematik in die Öffentlichkeit zu tragen, hierfür ein Bewusstsein zu schaffen.“

 

Von welchen (politischen) Bündnissen und Akteuren wird die Seebrücke getragen?

Leonie: „Die meisten Aktiven kennt man aus verschiedenen anderen politischen Kontexten. Selbstverständlich sind sie eher auf der linken Seite der Mitte zu finden, unter uns sind aber auch durchaus viele Vertreter dieser besagten Mitte. Speziell für die Seebrücke Pinneberg konnten wir die SPD, die Linke und die Grünen sowie die Jugendbewegungen dieser Parteien gewinnen. Aber auch Gewerkschaften wie der DGB oder Verdi unterstützen uns.“

Peer: „Und wir haben den Diakonieverein Migration mit dabei. Wir werden also von vielen Parteien, Bündnissen und Organisationen aus der gesellschaftlichen Basis unterstützt, es sind politisch engagierte Menschen, genauso aber auch Menschen, ohne politischen Background. Natürlich ist es gut, von Aktivisten unterstützt zu werden, die Erfahrung in der politischen Arbeit mitbringen und genau deshalb wollen wir auch die Parteien mit dabeihaben, weil diese schlussendlich die politischen Entscheidungen für den Kreis Pinneberg treffen. Wir wollen im Kreistag Druck machen – und das geht eben nur mit politischer Unterstützung. Ich möchte an dieser Stelle aber betonen, dass wir keine rein politische Organisation sind. Denn unser Anliegen hat mit Politik eigentlich gar nicht so viel zu tun, zwar brauchen wir eine politische Lösung, aber das Thema, nämlich dass niemand ertrinken soll, hat zunächst einmal nichts Politisches. Es ist einfach ein Menschenrecht, dass man gerettet werden sollte.“

 

Wieviel Mitstreiter hat die Seebrücke Pinneberg?

Leonie: „Also kreisweit haben wir mittlerweile mehr als zweihundert Emailadressen im Verteiler. In Pinneberg selbst sind wir so an die 30 aktive Mitglieder, die regelmäßig zu unseren Treffen kommen und an den Aktionen teilnehmen. Wir hoffen natürlich, dass wir noch wachsen!“

 

Was für Menschen engagieren sich bei euch?

Leonie: „Ich bin wirklich sehr glücklich darüber, dass wir tatsächlich einen Schnitt durch alle Gesellschaftsschichten repräsentieren können. Bei uns engagieren sich Jung und Alt, von 16 bis 80 Jahren sind auch alle Altersklassen mit dabei. Bei uns vereinen sich also verschiedenste politische und soziale Hintergründe. Das ist toll!“

 

Wie sieht eure Arbeit konkret aus?

Peer: „Zunächst einmal veranstalten wir regelmäßige Treffen. Hier tauschen wir uns aus, planen kommende Aktionen. Wir waren jetzt schon bei verschiedensten Demonstrationen mit dabei, zum Beispiel auf der United Against Racism Parade in Hamburg am 29. September, dort sind wir im Seebrückenblock mitgelaufen. Und am 6. Oktober waren wir beim Fest der Demokratie in Elmshorn. Das war schon eine etwas größere Aktion. Am Samstag den 03.11. waren wir mit einem Infostand in der Pinneberger Innenstadt und haben einen Flashmob gemacht. Anschließend haben wir eine Kundgebung mit verschiedenen Rednern aus den Jugendorganisationen der Parteien und der Zivilgesellschaft veranstaltet.“

Leonie: „Wir haben dort auf der Bühne eine Rede gehalten, welche bei den Teilnehmern auch sehr gut angekommen ist. In drei Minuten haben wir erklärt, was die Seebrücke ist, was wir so machen und vor allem, was für Pläne wir für die Zukunft haben.“  

 

Und was für Pläne sind das konkret?

Leonie: „Wir haben zum Beispiel den Monat November zum orangenen Monat erklärt. Das heißt, wir versuchen im November so viel Aufmerksamkeit wie möglich in den verschiedenen Städten im Kreis Pinneberg für die Seebrücke zu erzeugen. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen zu erreichen und für unsere Themen zu sensibilisieren. Eine Aktion ist schon fest und verbindlich geplant. So findet am 24. November ab 11 Uhr eine Kundgebung in der Wedeler Innenstadt statt. Wir werden dort einen Stand haben und Infomaterial verteilen. Außerdem wird es die Möglichkeit geben, sich in einer Rettungsweste fotografieren zu lassen, um das Bild dann später in den sozialen Medien zu posten als Zeichen der Solidarität mit der Seebrücke. Und wir starten eine Unterschriftenaktion.“

 

Am 22.10. wart ihr bei einer Demonstration in Kiel. Wie war die Atmosphäre?

Peer: „Es war schon eine andere Atmosphäre als beispielsweise in Elmshorn. In Elmshorn haben wir versucht, die verschiedenen Parteien miteinzubeziehen. In Kiel sind diese nicht Teil der Organisationsstruktur, sondern die Seebrücke ist eine eigenständige Gruppe. Und genau deswegen ist es auch so interessant, mal zu schauen, wie die einzelnen Seebrücken so aufgebaut sind, wie sie sich organisieren. Kiel hat eine Universität, hat ein Aktivistenspektrum, was uns hier in Pinneberg komplett fehlt. Bei der Demo sind so an die 700 Menschen auf die Straße gegangen, es gab jedoch keine Redebeiträge von Parteien oder Gewerkschaften. Und trotzdem war es eine supertolle Veranstaltung, die uns sehr viel Spaß gemacht hat. Wir sind froh, mit dabei gewesen zu sein!“

 

Wie ist die aktuelle Lage in Europa und in Deutschland in Bezug auf die Situation auf dem Mittelmeer?

Peer: „Was definitiv erkennbar ist, ist, dass beispielsweise Italien sehr lange eine ganz eigene Mission verfolgt hat, um die Menschen auf dem Mittelmeer zu retten. Das hat Italien anfangs auch sehr gut gemacht, das Land hat viel investiert und sogar die italienische Bevölkerung hat dort größtenteils mitgezogen. Viele Städte haben Geflüchtete aufgenommen. Durch das Dublin Abkommen ist es ja leider so, dass die Flüchtlinge immer in dem europäischen Staat, in dem sie ankommen, auch registriert werden. Und wenn sie dann in ein anderes Land kommen, wie zum Beispiel nach Deutschland, werden sie zurückgeschickt in das erste Land und müssen dort – oftmals sehr lange – abwarten, wie über ihren Asylbescheid entschieden wird. Das heißt im Klartext vor allem, dass die Länder, die Außengrenzen haben, mit diesen Problemen alleine gelassen werden. Wir hier in Deutschland haben uns selbst nicht ausreichend an der Seenotrettung beteiligt, haben gerade Italien nicht ausreichend unterstützt: Wir haben weder gesagt, wir nehmen Flüchtlinge auf, noch haben wir ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Und das betrifft nicht nur Italien, sondern auch Griechenland und Ungarn. Der Rechtsruck, den wir gerade in Europa spüren, und die Tatsache, dass Italien und Griechenland ihre Häfen dicht machen, ist demnach auch eine Folge des unsolidarischen Verhaltens der Regierungen innerhalb Europas. Die Meinungen in vielen europäischen Regierungen positionieren sich gegen Migration, gegen Flüchtlinge. Gerade in Italien hat sich die Stimmung innerhalb der Bevölkerung stark zum Negativen geändert. Wir von der Seebrücke wollen auch erreichen, dass sich die Haltung innerhalb Europas ändert, dass das Dublin-Abkommen abgeschafft wird. Denn diese Regelung ist schlichtweg unsolidarisch und führt eben dazu, dass es in vielen Ländern einfach menschenunwürdig zugeht. Wir brauchen also einen neuen Verteilungsschlüssel, der fair ist.“

 

Wie ist die Verteilung in Deutschland geregelt?

Peer: „Hier in Deutschland haben wir den sogenannten Königsteiner Schlüssel. Er funktioniert nach dem folgenden Prinzip: Es wird geschaut, wie die Steuereinnahmen eines Bundeslandes sind und wie viele Menschen dort leben. Je mehr Steueraufkommen ein Bundesland hat und je stärker es wirtschaftlich ist, desto mehr Flüchtlinge müssen aufgenommen werden. Das heißt, dass eine Stadt wie Hamburg überproportional viele Flüchtlinge aufnehmen muss im Vergleich zu Thüringen oder Schleswig-Holstein. Das birgt Probleme. Es wäre demnach nur fair, würde man auch die Fläche mitberücksichtigen. Hierzu gibt es übrigens eine hervorragende Idee von Gesine Schwan, Mitglied der SPD: Es soll ein Fond eingerichtet werden und ein fairer Verteilungsschlüssel soll in Kraft treten, in dem sich die Kommunen verpflichten, eine gewisse Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen. Die Kommunen, die Flüchtlinge aufnehmen, werden durch diesen Fond unterstützt. Nimmt eine Kommune mehr Flüchtlinge auf, als sie eigentlich soll, bekommt sie einen finanziellen Bonus aus diesem Fond. Das Geld kann dann zur Verbesserung der Infrastruktur, für Bildungsangebote oder ähnliches ausgegeben werden. Das heißt, dass auch die Menschen in den Kommunen merken, dass sie davon profitieren, wenn ihre Gemeinde Flüchtlinge aufnimmt.“

 

In was für einer Gefahr befinden sich die Menschen auf dem Mittelmeer?

Leonie: „Es gibt viele organisierte Schlepperbanden, die den Menschen ihr letztes Geld abknüpfen. Oft ist es so, dass die ganze Familie zusammenlegt, damit wenigstens ein Familienmitglied fliehen kann. Das ist dann meistens die Person, die die größte Chance hat, diese Flucht zu überleben. Deswegen sind es natürlich häufig junge Männer. Sie haben die Hoffnung, dass sie eines Tages ihre Familien nachholen können und zahlen hohe Summen an die Schlepper. Die Boote sind aus Gummi und haben eigentlich keine Chance, ihre Insassen heil über das Mittelmeer zu bringen. Wenn dann auf hoher See eine Rettungsmission vorbeikommt, werden die erschöpften Menschen quasi aus dem Wasser gefischt, befinden sich dann auf dem Rettungsschiff in der Hoffnung, dass sie an einem europäischen Hafen einlaufen können. Die Flucht ist absolut lebensgefährlich, unzählige sterben.“

 

Welcher politische Machtkampf wird da auf hoher See ausgefochten?

Peer: „Also, ich glaube, dass es überwiegend innenpolitische Machtkämpfe sind. Salvini beispielsweise will – und davon bin ich überzeugt – nach innen zeigen, dass er Stärke besitzt, dass er Macht hat, deswegen schließt er die Häfen. Und er will dem restlichen Europa demonstrieren, dass er auch anders kann, eben weil er sich so lange von Europa allein und im Stich gelassen, gefühlt hat. Das ist dann ein Machtkampf, der auf europäischer Ebene stattfindet. Und wenn man noch einen Schritt weiterdenkt, ist es auch ein Machtkampf zwischen Europa und Afrika. Denn die afrikanische Bevölkerung flieht vor Krieg, sie flieht vor Terror, Armut und Perspektivlosigkeit. Die Fluchtursachen sind vielfältig, auch der Klimawandel spielt eine Rolle, ebenso Waffenexporte. Am gravierendsten ist jedoch die Handelspolitik, viele in Europa hergestellte und subventionierte Lebensmittel werden nach Afrika verschifft, die afrikanische Eigenproduktion, die so wichtig für den Kontinent wäre, wird im Keim erstickt. Das muss sich dringend ändern!“

 

Was muss die deutsche Regierung tun, damit sich die Lage auf dem Mittelmeer entspannt?

Leonie: „Die erste und wichtigste Baustelle ist, dass die Menschen auf dem Mittelmeer gerettet werden. Die Menschen, die gerade jetzt, in diesem Moment, zu ertrinken drohen. Allein 2018 sind schon weit über 1700 Menschen ertrunken, doch die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen. Ganz wichtig ist auch, dass die private Seenotrettung durch Organisationen wie Sea Watch oder Mission Lifeline nicht mehr behindert wird. Denn aktuell wird deren Arbeit durch verschiedene europäische Regierungen massiv eingeschränkt. Wir fordern, dass das Gegenteil passiert: Die Seenotrettung muss unbedingt gefördert werden, sie muss entkriminalisiert werden und zwar dringend und schnell!“

 

Wie sollten sich die anderen europäischen Staaten verhalten?

Leonie: „Die anderen europäischen Staaten müssen sich zusammensetzen und es muss so schnell wie möglich eine faire, solidarische und vor allem europäische Lösung gefunden werden. Niemand darf sich aus der Verantwortung ziehen, gerade in Hinblick auf Staaten wie Ungarn oder Polen, wo derzeit rechtsextreme Regierungen an der Macht sind. Und Länder wie Italien oder Griechenland dürfen nicht allein gelassen werden, sie müssen mehr Unterstützung bekommen. Das Dublin-Abkommen muss mit sofortiger Wirkung abgeschafft werden, es muss eine adäquate Alternative geschaffen werden. Die Seebrücke steht auch dafür, dass wir von der europäischen Union fordern, dass sie sichere Fluchtwege schafft, damit einfach nicht mehr so viele Menschen diesen sinnlosen Tod sterben.“

 

Wie kann sich der Einzelne engagieren?

Leonie: „Wichtig ist auf jeden Fall, dass das Thema so viel Öffentlichkeit wie nur irgendwie möglich erfährt. Je mehr Menschen wir mit unserer Message erreichen, desto mehr Menschen fangen an, sich dafür zu interessieren. Wenn viele Menschen gemeinsam für ein Thema einstehen, dann passiert auch tatsächlich was.“

Peer: „Wir begrüßen natürlich jeden bei uns, der sich engagieren möchte. Wir freuen uns immer über neue Gesichter, die sich an unseren Aktionen beteiligen. Und wir sind stets offen für neue Ideen. Unsere Gesellschaft braucht uns gerade mehr denn je, denn wir befinden uns in einer Situation, in der man einfach Stellung beziehen muss.“

 

Was ist eure persönliche Motivation, euch in der Seebrücke zu engagieren?

Peer: „Wir hier in Deutschland haben den Luxus, in einer demokratischen Gesellschaft zu leben, wir genießen wirtschaftlichen Wohlstand und eine immense Freiheit. Aber daraus ergibt sich auch eine Verantwortung, eine Verantwortung, die die Menschen in einer Diktatur beispielsweise nicht haben. Die Menschen, die in der Diktatur leben, müssen erstmal die Diktatur loswerden. Unsere Verantwortung besteht vor allem darin, die Schwächeren zu schützen. Wir müssen sorgsam beobachten, wie sich unsere Politiker, unsere Gesellschaft verhält. Ich persönlich nehme diese Verantwortung gerne wahr, ich bin froh, eine demokratische Stimme zu haben. Diese Stimme ist wertvoll, wir müssen sie schätzen und einsetzen.“

Leonie: „Wir haben den Luxus, dass wir nicht ums Überleben kämpfen müssen. Den Luxus, in Europa geboren zu sein, ein Dach über dem Kopf zu haben, den Luxus, dass wir hier in Frieden leben, dass wir zum Beispiel unsere Nachbarländer frei bereisen können, wann immer wir das möchten. Selbst eine Generation vor uns wäre dies nicht einfach so möglich gewesen. Und ich finde es so unglaublich wichtig, dass wir all das, was jetzt wieder auf der Kippe steht, nämlich Grund- und Menschenrechte, beschützen! Ich fühle mich als Europäerin absolut in der Pflicht, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um diese Welt ein klein wenig besser zu machen.“

 

Das Interview führte Sophie Martin

Fotos: Sophie Martin

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